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  • Mona Hasler

Was kann Malen aus der Quelle bewirken?

Aktualisiert: 9. Feb. 2020


23. Dezember 2019

Durch die Übersetzung des Lehrbuches PAINTING FROM THE SOURCE von Aviva Gold, die bei Mondora Books in Arbeit ist, wird diese wertvolle Therapie- und Kunstmethode nun auch für ein deutschsprachiges Publikum zugänglich. Das Buch legt die Grund-lagen für das Malen aus der Quelle und richtet sich in erster Linie an erstmalige Teilnehmer an einem Malworkshop der Autorin, es ist aber auch eine ideale Einführung für selbst Lernende und allein Malende.



'Schwarze Venus' von Aviva Gold



Erste Begegnung mit dem Malen aus der Quelle

Die Autorin und Kunsttherapeutin Aviva Gold erzählt am Anfang ihres Buches, wie sie, die ja eine professionelle Ausbildung in Malerei genossen hat, diese ihr noch nicht vertraute Art des Malens an ihrem ersten Workshop erlebte. Sie erschrak über die Bilder, die die anderen Teilnehmer malten und beurteilte sie vor dem Hintergrund ihrer akademischen Bildung. Heute weiss sie, dass ihr anfänglicher Widerstand dagegen, sich einzulassen und die Regeln zu befolgen, die typische Reaktion eines am Verstand orientierten Menschen war.


Leseprobe aus Aviva Golds Buch 'Malen aus der Quelle':

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"Ich wuchs auf im Glauben, dass mein Selbstwert von den ‚grossartigen’ Werken abhing, die ich schaffen musste. Gleichzeitig aber war ich von meinem spirituellen Flow abgeschnitten. Ich war in der Kunstschule, im College und im Studium oberflächlich gesehen erfolgreich, was den Verkauf meiner Werke, meine Ausstellungen, meinen Unterricht für Kinder und Erwachsene und meine Ausbildung zur Kunsttherapeutin betraf. Aber ich war selten verbunden mit der ungehinderten Kreativität meiner frühen Kindheit. Ich verbrachte den grössten Teil meines Lebens im Konflikt mit der Sehnsucht nach und der Angst vor dieser tiefen Verbundenheit. Ich überdeckte mein dringendes Bedürfnis mit der rastlosen, jedoch ergebnislosen Suche nach dem Prinzen meines Herzens. Das war ein Tausch meines innersten Sehnens nach meinem authentischen Selbst und dem Gefühl des ganz Seins, das echtes künstlerisches Tun bedeutet, gegen eine kulturell akzeptierte Form der Suche.


Die Krise, mitten in diesem Leben, das von beruflichem und persönlichem Erfolg gesegnet schien, war unausweichlich. Ich lebte in einer Lüge und konnte nicht weiter machen ohne eine Veränderung durch die Wahrheit meiner eigenen Kreativität. Ich stolperte zufällig, wie es Menschen in der Krise oft passiert, über eine ganz neue Art des Malens, eine bei weitem freiere Art des Malens als die Techniken einer ausgebildeten erwachsenen Künstlerin es sein konnten, und eine Art des Malens, die bezüglich ihres bildenden Potenzials und ihrer Heilkraft viel wirkungsvoller war als das spielerische Malen eines Kindes.

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Ich war gelähmt von meiner lebenslangen Anstrengung, mir mein Selbstbild als Künstlerin und meine Vorstellungen von Grossartigkeit aufrecht zu erhalten. Es war eine No-Win-Situation. Ich nahm ein neues Blatt Papier und malte einen Fisch. Er war ganz gut herausgekommen. Dann malte ich auf einem neuen Papier eine Muschelschale am Sandstrand, daneben die Brandung ... hmmm, ein Geschenk des Meeres. Blaugrüne salzige Wellen spülten über den Sand und die Muschel und erinnerten mich daran, dass ich zwanzig Jahre früher einmal die Geheimnisse der Meere gemalt hatte, als ich noch in Ausbildung war. Dieses Wasser voller Leben bewegte etwas in mir. Ganz plötzlich, gerade als ich dachte, das Bild sei fertig, sah ich in der Muschelschale andeutungsweise das Gesicht einer Frau. Was jetzt?


Mein Herz begann schneller zu schlagen, als ich begann, das Frauengesicht in der Muschelschale fertig zu malen. Ihre Schultern und ausgestreckten Arme, ihre Brüste tauchten auf im Meer. Ihre Brustwarzen waren rosa Seesterne. Etwas, das lange in einem Dornröschenschlaf gelegen hatte, begann sich zu regen in mir, vergessene Kinderzeichnungen von Meerjungfrauen. Für das objektive Künstlerauge wurde es nur ein mittelmässiges Bild, nichts, das die Blicke auf sich ziehen würde. Aber als ich den letzten Pinselstrich setzte, liess ich es zu, dass die verinnerlichte Kritik meiner Familie und meiner Lehrer für einen Moment über mich hinwegfegte. Dann verebbte sie langsam, und stattdessen tauchte das Bild auf, das ich malen musste. Dieses Bild mit der Frau im Meer war die Brücke zum nächsten, meinem Durchbruch zur Quelle.


Ich tauchte meinen Pinsel in helles Magenta und füllte kühn ein neues Blatt Papier mit einer grossen Frauengestalt, die in Hockestellung am Gebären war. Ich kümmerte mich nicht darum, ob die Anatomie der Frau stimmte, sondern malte ihre grossen Hände, in denen sie ein neugeborenes Mädchen hielt, das soeben aus ihrer übergrossen Vagina geschlüpft war. Während das Gesicht der Mutter, das aussah wie eine afrikanische Maske, mit der verbindenden Kraft leidenschaftlicher, bedingungsloser Liebe in ihrem Blick auf das Kind schaute, rannen aus ihren Brüsten Milchtropfen direkt in den offenen Mund des Säuglings. Ich hielt mich nun nicht mehr zurück und malte je ein Herz in der Brust von Mutter und Kind und einen grellen Schein von Energie, die von den beiden Körpern ausstrahlte. Dann führte mich etwas dazu in zwei gegenüberliegenden Ecken einen grünen zunehmenden Mond und eine rote Sonne in einem roten Kreis zu malen – mein neugefundenes Signet. Schliesslich malte ich noch eine Nabelschnur an einer herzförmigen Plazenta.


Ich war in Ekstase. Nichts anders war mehr wichtig als dieses Bild. Mein ganzes Wesen wusste, dass es nach Hause gefunden hatte. Es war ein Gefühl, wie wenn nach einer Ewigkeit der Trennung sich zwei verwandte Seelen gefunden hätten. Ich dachte in dem Moment, dass in mir nichts mehr übrig wär, das es noch zu malen gab. Ich erkannte es nicht gleich, aber ich weiss jetzt, dass ich meine Version der Urmutter gemalt hatte, die Mutter, nach der ich mich gesehnt hatte, um mein neugeborenes Selbst zu bewundern, und im gleichen Zug die Mutter, die ich selber geworden war, indem ich meiner eigenen Kreativität zur Geburt verholfen hatte. Das hatte mir unglaubliche Kraft gegeben. „Jetzt könnte ich sterben“, seufzte ich. Doch im Moment, wo mein Bild fertig gemalt war, war ich fasziniert vom Gedanken, noch eines zu malen. Ich wusste bereits, was es sein würde und wie ich es malen wollte. Innert kurzer Zeit erkannte ich, dass diese neue Weise der Wahrnehmung und des Malens mir viel mehr als nur meine Tiefe und Spontaneität zurück gab: Es war eine Kraft, die mein Leben in vielfältiger Hinsicht zu verändern begann. Erst jetzt verstand ich das Wort Transformation. Jedes neue Bild war eine Chance, mich mit einem inneren Konflikt auseinanderzusetzen und ihn zu lösen, ob es nun eine Angst war oder eine andere tiefsitzende Blockade, und - zu meiner Überraschung – löste es sogar gesundheitliche Probleme. "



#Malen aus der Quelle

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